Mittwoch, 18. April 2012

[Rezension] Simon Beckett - Leichenblässe

Dr. Hunter ist zurück...


Fakten rund ums Buch:
Genre: Thriller
Originaltitel: Whispers of the Dead
Ausgabe: Taschenbuch
Seitenzahl: 416
erschienen: Juli 2010
Preis: 9,99 Euro
Link zum Verlag 


"Ich habe einen Anruf vom Tennessee Buereau of Investigation bekommen. Sie haben in der Nähe von Gatlinburg eine Leiche gefunden. Klingt ganz interessant. [...] Wie sieht's mit dir aus, David? Lust auf ein bisschen praktische Arbeit?" 


Klappentext:

Bei seinem letzten Einsatz ist David Hunter nur knapp dem Tode entronnen. Nicht vollständig genesen, quält den Forensiker die Frage, ob er seinem Beruf noch gewachsen ist. Bis ein alter Freund ihn um Hilfe bittet: In einer Jagdhütte in den Smoky Mountains wurde ein Toter gefunden. Die Leiche ist bis zur Unkenntlichkeit zersetzt. Die Spuren sind widersprüchlich. Und David Hunter ist im Begriff, einen folgenschweren Fehler zu begehen... 


Wissenswertes:

"Leichenblässe" ist der dritte von aktuell vier Thrillern rund um den Forensiker David Hunter ("Die Chemie des Todes" - "Kalte Asche" - "Leichenblässe" - "Verwesung"). Man muss die Bücher nicht zwingend hintereinander lesen, um die Inhalte zu verstehen - die jeweiligen Kriminalfälle sind in sich abgeschlossen, lediglich die Persönlichkeit des Protagonisten entwickelt sich fortlaufend weiter und gewinnt zunehmend an Tiefe.
Wer Simon Beckett bisher nur aus der "roten Reihe" - also diesen weißen Büchern mit dem blutroten Schriftzug - kennt und von diesen weniger angetan war, dem möchte ich dringend die David-Hunter-Bücher ans Herz legen! Anders als die Titel der "roten Reihe" gehören für mich alle drei bisher gelesenen Bücher zu meinen Lieblingsthrillern! 


Meine Meinung:

Erstmals in der Reihe verlagert sich der Ort des Geschehens von Großbritannien nach Amerika, genauer gesagt in den Staate Tennessee. Dieser Ortswechsel hält einiges an Konfliktpotential für die Geschichte bereit: Einerseits ist David Hunter als Brite zunächst kein gern gesehener Gast zwischen den amerikanischen Ermittlern des Tennessee Bureau of Investigation, andererseits sind so einige interessante Vergleiche zwischen den europäischen und amerikanischen Ermittlungstaktiken (und dabei kleine sarkastische Seitenhiebe auf die Amerikaner) möglich. Der Schauplatz ist eine sogenannte "Body Farm", eine wissenschaftliche Anlage für Forensiker, auf der Leichen unter freiem Himmel gelagert werden, um so die einzelnen Stadien der Verwesung studieren zu können. Auf vielen Seiten ließ sich die bedrückende Atmosphäre des Todes daher direkt spüren - ganz zu schweigen vom Geruch der ständigen Verwesung, den man beim Lesen in der Nase zu spüren vermeint. Trotzdem hielt sich der Ekelfaktor dieses Buches im Vergleich etwa zu "Die Chemie des Todes" in Grenzen - bis auf den wirklich grauenerregenden Schluss, der einem wirklich die Haare zu Berge stehen lässt! Das Buch ist also nur bedingt für schwache Nerven wie meine geeignet ;-)

Ich-Erzähler David Hunter ist gewohnt sympathisch, gibt aber wieder wenig von sich, seinen Gefühlen und seiner Vergangenheit preis. Ganz anders dagegen der Täter: Zum Ende einiger Kapitel schwenkt die Erzählperspektive nämlich kurz und wir erfahren aus der Sicht des Mörders, was er gerade plant oder warum er bestimmte Sachen tut. Damit ist man als Leser den Ermittlern oft einen Schritt voraus, erhält Informationen über Beweggründe oder Tatmotive oder - und das hat mir am besten gefallen - bekommt das Geschehen, das man zuvor vom eher ratlosen David Hunter geschildert bekommen hat, noch einmal aus der Sicht des Mörders erklärt. Natürlich erfährt man in diesen kurzen Szenen nicht, WER der Mörder ist, aber sie lassen doch einige Spekulationen seitens des Lesers zu...
Im Verlauf der Ermittlungen scheinen Täter und Ermittler immer öfter aufeinanderzutreffen und die Spannung wird so kontinuierlich erhöht - rechnet man doch immer schon mit dem nächsten Mord. Und Morde, so viel kann ich wohl sagen, gibt es noch einige!

Überhaupt hält sich die Spannung des gesamten Buches auf einem sehr hohen Level. Ständig gibt es ungeklärte Fragen, tauchen neue Hinweise auf, die die vorherigen Ermittlungen wieder infrage stellen, oder es geschehen neue Morde, die den Polizisten weitere Rätsel aufgeben. Natürlich ist "Leichenblässe" dabei keine literarische Meisterleistung oder ein Buch, über das man nach dem Lesen noch lange nachdenken würde - das muss es aber auch gar nicht sein. Es ist spannend, gruselig bis grausig und unterhält für einige Stunden mit viel Nervenkitzel - also genau das, was ich mir von einem guten Thriller wünsche!  


Mein Fazit:

Das Wiedersehen mit David Hunter war gewohnt spannend und hat mich für einige Stunden gebannt in die düstere Welt eines Serienmörders abtauchen lassen. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall mit dem sympathischen Forensiker! 8 von 10 Bücherdiebinnen!

Kommentare:

  1. Ich freue mich auch schon auf die TB-Ausgabe von "Verwesung". Klingt vom Inhalt her auch sehr interessant. Durch die Forensikaspekte, heben sich diese Thriller irgendwie auch immer ab.
    Muss dir auch zustimmen, dass die Teile aus Sicht des Mörders sehr gelungen waren. Ich habe immer daneben spekuliert.
    Das Ende war dann schon sehr makaber.
    Deine Rezension spiegelt meinen Eindruck von dem Buch voll und ganz wieder.

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    1. Hehe, auf das TB zu "Verwesung" warte ich auch schon gespannt :-)
      Ich kenne eigentlich auch keine anderen Thriller, die sich um einen Forensiker drehen (es gibt bestimmt welche, nur sooo viele Thriller lese ich nun auch nicht), aber David Hunter hat es mir schon angetan :-)
      Ein so makaberes Ende hatte ich nicht erwartet, im Vergleich zu den anderen Büchern aus der Reihe fand ich es vorher auch recht "harmlos"... aber dann... *brrr*

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  2. Sehr schöne Rezension! Du machst mich gerade richtig neugierig. Das Buch liegt glaube ich schon seit kurz nach Erscheinen bei mir auf dem SuB, weil ich von heute auf morgen keine große Lust mehr auf Thriller hatte. Band 1 und 2 hatten mir richtig gut gefallen, vor allem der Zweite.

    Dank dir werd ich es wohl mal wieder ausgraben :)

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    1. Toll, wenn ich dich neugierig machen konnte! Das Buch lag bei mir auch (völlig unverständlicherweise) ein halbes Jahr auf dem SuB, bevor ich endlich zugegriffen habe. Aber jetzt bin ich froh, es enlich gelesen zu haben - also nur zu!
      Band 2 ist übrigens bisher auch mein Lieblingsteil der Reihe - die düstere Atmosphäre auf dieser kleinen Insel hat mich sofort überzeugt - aber die anderen sind auch sehr gut :-)

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  3. Deine Rezension trifft genau meine Meinung vom Buch. Ich finde die David Hunter-Reihe auch richtig klasse und das Ende von 'Leichenblässe' war tatsächlich ziemlich schrecklich.

    Ich bin schon ganz gespannt auf die Taschenbuchausgabe von 'Verwesung'.

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    1. Oh, noch jemand, der mit aufs TB von "Verwesung" wartet - am 20. Juli ist es soweit! Ein bisschen Erholung brauche ich bis dahin aber noch von dem grausigen Ende von "Leichenblässe" :-)

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