Mittwoch, 23. Mai 2012

[Rezension] Maggie Stiefvater - Nach dem Sommer

Seine gelben Augen – daran erinnere ich mich. 
Ich dachte, ich würde sie nie wiedersehen.


Fakten rund ums Buch:
Genre: Romantasy
Originaltitel: Shiver
Ausgabe: Hardcover
Seitenzahl: 424
erschienen: September 2010
Preis: 18,90 Euro
Link zum Verlag


"Für jedes bekommt man einen glücklichen Tag, wusstest du das?" Ich verstand nicht, was er meinte, auch nicht, als er die Hand öffnete und mir die zerknickten Blätter darin zeigte. "Einen glücklichen Tag für jedes fallende Blatt, das man fängt."
Ich beobachtete, wie sich die Blätter langsam zu entfalten begannen und leicht im Wind zitterten. "Wie lange hast du gewartet?"
Wenn er sich getraut hätte, mir bei der Antwort in die Augen zu sehen, wäre es beinahe unerträglich romantisch gewesen. Stattdessen hielt er den Blick gesenkt und bohrte seine Stiefel ins Laub - so viele glückliche Tage. "Ich warte immer noch." 


Klappentext: 

Jeden Winter wartet Grace darauf, dass die Wölfe in die Wälder von Mercy Falls zurückkehren – und mit ihnen der Wolf mit den goldenen Augen. Ihr Wolf.
Ganz in der Nähe und doch unerreichbar für sie, lebt Sam ein zerrissenes Leben: In der Geborgenheit seines Wolfsrudels trotzt er Eis, Kälte und Schnee, bis die Wärme des Sommers ihn von seiner Wolfsgestalt befreit. In den wenigen kostbaren Monaten als Mensch beobachtet er Grace von fern, ohne sie jemals anzusprechen – bevor die Kälte ihn wieder in seine andere Gestalt zwingt.
Doch in diesem Jahr ist alles anders: Sam weiß, dass es sein letzter Sommer als Mensch sein wird. Es ist September, als Grace den Jungen mit dem bernsteinfarbenen Blick erkennt und sich verliebt. Doch jeder Tag, der vergeht, bringt den Winter näher - und mit ihm den endgültigen Abschied. 


Wissenswertes:

"Nach dem Sommer" ist der Auftakt einer Trilogie, die mit "Ruht das Licht" und "In deinen Augen" (erscheint im August) fortgesetzt wird. Hier ein Überblick über die gesamte Trilogie:




Meine Meinung:

Was wollte ich dieses Buch lieben! So viele in der Bloggerwelt haben es bereits vor mir gelesen und waren begeistert von Geschichte, Sprache und Stil in "Nach dem Sommer", so dass mir schnell klar war, dass ich dieses Buch einfach lesen MUSSTE. Immer weiter habe ich es hinausgezögert, mit der Trilogie zu beginnen, so dass ich die weiteren Teile "Ruht das Licht" und "In deinen Augen" recht bald hintereinander lesen kann. Jetzt habe ich es endlich gewagt - doch leider bin ich etwas enttäuscht und kann die große Begeisterung nicht so recht nachvollziehen. - Oder bin ich einfach nur mit zu hohen Erwartungen an diese Reihe herangegangen?

Komme ich zuerst zu den Dingen, die mir positiv an "Nach dem Sommer" aufgefallen sind. Zuerst wäre da mal der wahnsinnig tolle Titel, der - anders als im Englischen Original - im Deutschen aus einem Satz besteht, der sich später aus allen drei Büchern zusammensetzt: Nach dem Sommer - Ruht das Licht - In deinen Augen. Diese Idee finde ich wunder-wunderschön!
Der Schreibstil von Maggie Stiefvater ist sehr gefühlvoll, voller Emotionen und dabei doch sehr ruhig. Zusammen mit den Gedichten von Rainer Maria Rilke, die immer wieder zitiert werden, ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild und ich war fasziniert von der tollen Sprache, die das Buch zu einem besonderen Leseerlebnis macht.
Sehr erfrischend fand ich außerdem die Idee der Wölfe, die sich nicht bei Vollmond verwandeln, sondern auf kalte Temperaturen reagieren und so jeden Sommer als Mensch verbringen dürfen bis sie sich irgendwann gar nicht mehr verwandeln. Auch, dass über jedem Kapitel angegeben war, wieviel Grad Celsius gerade draußen herrschen (und damit angezeigt wurde, ob Sam wohl gefährdet ist, sich zu verwandeln) fand ich sehr nett umgesetzt. Ein paar andere Ideen, z.B. dass die Wölfe im Rudel über eine Art Bildersprache miteinander kommunizieren, kamen mir zwar eher vor wie bei Stephenie Meyer abgeschaut, aber insgesamt hat mich dies nicht groß gestört.

Doch nun komme ich auch zu den negativen Dingen, die mir den Spaß an "Nach dem Sommer" leider etwas genommen haben. Das größte Manko am Buch ist sicherlich die fehlende Spannung. War ich auf den ersten 50 bis 80 Seiten noch interessiert an der Welt und den neuen Ideen, die mir hier vorgestellt wurden, war ich irgendwann ziemlich gelangweilt von der Geschichte. Es passiert einfach zu wenig! Ein Großteil der Handlung läuft darauf hinaus, dass sich Sam und Grace anschmachten und Angst vor der Kälte haben - hier hätte man definitiv mehr herausholen können!
Warum Grace sich so für das Leben der Wölfe (und speziell für "ihren Wolf") begeistern kann, habe ich auch nicht ganz verstanden. Als Kind hat sie ein schlimmes Erlebnis mit den Wölfen, von dem jeder andere Mensch wahrscheinlich ein Leben lang traumatisiert wäre, aber statt die Wölfe zu meiden begibt sie sich immer wieder freiwillig in Gefahr.
Mehr Probleme hatte ich allerdings mit Sam: Für den männlichen Protagonisten einer solchen Romantasy-Geschichte fand ich ihn leider extrem unsexy! Er wird als Emo beschrieben, hängt ständig an Grace' Rockzipfel, und die vielen Liedzeilen, die ihm durch den Kopf gehen, haben mich leider mehr genervt als begeistert. So stimmte für mich von Anfang an die Chemie zwischen den beiden Hauptcharakteren nicht richtig, was mich das Interesse an dieser angeblich so großen Liebesgeschichte etwas verlieren ließ.

Ein weiterer negativer Punkt in der Handlung waren einige Aspekte, die mir einfach zu banal vorkamen und eine größere Gewichtung bzw. Erklärung hätten bekommen müssen. Etwa wird die Tatsache, dass Sam ein Wolf ist, von Grace einfach so hingenommen - wenn jemand diese grausige Wahrheit von seinem Angebeteten erfährt, müsste dies doch irgendeine Reaktion in ihm hervorrufen?! Oder auch gegen Ende, wenn Grace die Idee eines "Heilmittels" gegen die Werwölfe kommt: Plötzlich steht dieser Gedanke im Raum, für den es gar keinen richtigen Anlass gegeben hat, und überhaupt scheint es kein Problem zu sein, an dieses "Heilmittel" heranzukommen. Auch wenn die Handlung in der zweiten Hälfte des Buches etwas an Fahrt aufnimmt, haben mir solche Momente leider immer wieder den Spaß an der Geschichte genommen. 


Mein Fazit:

"Nach dem Sommer" ist mit Sicherheit kein schlechtes Buch und ich bin auch neugierig, wie es mit Sam und Grace in den beiden Nachfolgebänden weitergeht. Doch um die große Begeisterung vieler anderer Leser zu teilen, sind mir einfach zu viele negative Punkte aufgefallen. Der Schreibstil und die Idee der Geschichte haben vieles wieder wettgemacht, aber für den ganz großen Wurf reicht es in meinen Augen leider nicht. 6 von 10 Bücherdiebinnen.


Kommentare:

  1. Hi meine Liebe :-)
    noch ein Lieblingsbuch von mir, hihi. Weißt du was ich glaube? Wenn man von einem Buch TOTAL zugeschwärmt wird, sind die eigenen Erwartungen dann IMMER so hoch, dass man oft enttäuscht wird (bzw. nicht enttäusch, einfach ernüchtert). So ging es mir jetzt schon oft. Dann muss ich nach dem Lesen richtig reflektieren, so in etwa "war das Buch jetzt echt so gut??".
    Deine Kritik kann ich verstehen (weil sie bei vielen ähnlich ausfällt), auch wenn ich selbst bei diesem Buch wieder nichts zu bemängeln habe :-) Hach, diese Verbindung von Rilke, Schreibstil und Feeling - einmalig! Mir hat gerade diese Ruhe gefallen, da musste gar nicht viel passieren. Okay, du hast recht, Sam ist jetzt nicht der Innbegriff von sexy (wie Colin oder Jace oder Patch oder Ash oder ... *g*), aber ich fand ihn einfach nur herzig, mochte ihn sehr gerne. Falls du Teil 2 lesen magst, bin ich gespannt, was du sagst. Er ist ähnlich ruhig, aber es baut sich eine ganz konstante Spannung/Dramatik auf. Ich hab sooo geheult!!
    Auf jeden Fall eine schöne und aussagekräftige Rezi!
    LG,
    Damaris

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    1. Hey Damaris, du schon wieder ;-) An "Nach dem Sommer" bin ich leider wirklich mit mega-hohen Erwartungen rangegangen, weil ich eigentlich nur positive Stimmen zum Buch gelesen habe (jetzt langsam entdecke ich auch ein paar negative...). Ich konnte quasi nur enttäuscht werden :-/
      Sam fand ich zunächst auch wirklich herzig - z.B. ist die Szene, in der er Grace in den Buchladen entführt, super-romantisch - aber irgendwann ist es mir einfach auf die Nerven gegangen, dass alle ständig darauf aufpassen mussten, dass ihm nicht zu kalt wird. Also sexy ist was anderes :-) (wenn ich da an Colin denke...)
      Teil 2 werde ich bestimmt irgendwann lesen, auch wenn die Vorfreude etwas gedämpft ist. Habe schon gehört, dass es wohl einen üblen Cliffhanger am Ende geben soll, daher werde ich noch ein bisschen warten. Und da sie das Buch bei uns in der Bücherei haben, werde ich mal ganz unverbindlich reinschnuppern :-) Liebe Grüße!

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  2. Eine gute Rezension! Es ist angenehm zu wissen, das auch andere "Nach dem Sommer" so empfunden haben. Mir hat es mittelmäig bis weniger gefallen, eben aus den von dir genannten Gründen. Nur, dass für mich der Stil bei weitem nicht so viel wett gemacht hat. Den zweiten Band habe ich sogar abgebrochen, hoffentlich gefällt es dir besser! :) Du hast die Punkte in jedem Fall gut zusammen gefasst. Und nebenbei bemerkt ist mir das mit den Titeln gar nicht aufgefallen. Wirklich sehr schön. :)
    Liebste Grüße!

    killthesilencce.blogspot.com

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    1. Schön, hier eine Gleichgesinnte zu treffen, der es beim Lesen ähnlich ging! Langsam entdecke ich doch einige negative Stimmen zum Buch - hätte ich das mal vorher gewusst :-/
      Und den zweiten Band hast du sogar abgebrochen? Oh je, das verspricht ja gar nichts Gutes! Ich werd "Ruht das Licht" mal aus der Bücherei ausleihen und schauen, wie ich damit zurechtkomme. Da viele den 2. Teil sogar besser fanden, habe ich noch etwas Hoffnung :-)
      Liebe Grüße!

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  3. Mir ging es wie Damaris. Ich liebe das Buch und den zweiten Teil noch ein bisschen mehr. Die Ruhe hat mir gut gefalen und vor allem die Lovestory konnte mich ansprechen. Ich fand es gerade mal gut, dass Sam anders war. Ist doch echt unrealistisch - sorry - dass alle Kerle in den Büchern immer nur sexy, toll und wat weiß ich, sind :D :D Ich fand Sam sehr sensibel und einfühlsam und es hat mir gefallen, dass hier Grace mal das rationale Mädchen ist, was den Eindruck von Sams Emotionalität verstärkt.
    Aber Geschmäcker sollen ja unterschiedlich sein. :) Sonst wäre es langweilig.
    Bin gespannt, was du zum zweiten Teil sagst, wenn du ihn liest.

    LG
    Lilly

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    1. Hey Lily, du machst mir Hoffnung, dass ich den zweiten Band besser finden werde, danke! Eigentlich mag ich ruhige Bücher ja sehr gerne (z.B. "Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" oder "Splitterherz", das beginnt ja auch sehr ruhig), aber irgendeine Spannung muss schon unterschwellig vorhanden sein. Da hat mir die Angst, dass Sam sich in einen Wolf verwandelt, einfach nicht gereicht (denn Zuneigung haben die beiden ja auch gespürt, als Sam noch ein Wolf war...)
      Und, tja, ich stehe wohl auf den sexy Protagonisten á la Edward und Co :-D Klar muss der nicht perfekt sein - und er braucht vor allem eine starke Protagonistin an seiner Seite (sicherlich keine Bella, die ihn immer nur anhimmelt). Sams emotionale und romantische Seite habe ich sehr geschätzt, aber er war mir einfach zu unselbstständig und man musste echt ständig Angst um ihn haben - das ging mir irgendwann doch zu weit :-) Aber es ist gut, dass du das anders siehst - wäre ja doof, wenn wir alle auf den gleichen Mann - äh... Protagonisten stehen würden :-)
      Liebe Grüße!

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    2. *hihi* Das wäre echt fatal. So bleiben genug Männer ... eh Protagonisten zum Anhimmeln für jeden für uns :D :D
      Wobei Sam im zweiten Teil eine größere Rolle spielt. Da wird er erwachsener und wie ich finde Sam-cool ;)

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    3. oh, da freu ich mich schon drauf! Sam-cool hört sich interessant an ;-)

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  4. Hey, schööner Blog! *-*
    Folgst du mir? - Folg' ich dir! :)
    Haha. Liebste Grüße, Noli! :*
    http://nolislive.blogspot.de/

    Und ich denke echt sich das Buch zu kaufen wär' kein Fehler.
    Ich sollte es mal tun , aber erst meine Tribute von Panem Triologie zuende lesen! :)

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  5. hi ich kenne die bücher und sind nicht schlecht!

    Aber ash hat mir nicht so gut gefallen:(


    Lgggggggggg Mírror

    Ps. Mein 17 Leser gewinnspiel ist am Sart!;)

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  6. Schade schade, dass dir das Buch nicht so gut gefallen hat. Ich kann deine Kritikpunkte aber auch größtenteils nachvollziehen, auch wenn ich sie ganz anders wahrgenommen habe.
    Und "Nach dem Sommer" ist ja wirklich so ein Buch, von dem jeder (auch ich *hihi*) schwärmt; da macht man sich dann gewisse Erwartungen. Als ich es gelesen habe, hatte ich von dem Buch so gut wie gar nichts gehört - ich bin nur darauf gestoßen, weil mir "Splitterherz" aus dem Script 5 Programm schon so gut gefallen hatte und ich mich beim Verlag nach anderen Sachen umgesehen hatte. Demnach waren auch irgendwie gar keine Erwartungen vorhanden.
    Aber ich mag solche ruhigen Geschichten auch allgemein sehr, sehr gerne :]
    Vielleicht gefällt dir der zweite Teil ja etwas beser (: Viel Spaß schon mal!

    LG

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    1. Yeah, der Kapitän ist wieder im Land! Willkommen zurück!
      Wahrscheinlich hätte ich "Nach dem Sommer" auch direkt lesen sollen, nachdem ich es das erste Mal im Buchladen entdeckt hatte... (durch das tolle Cover ist es mir auch recht früh aufgefallen). Wäre interessant zu wissen, wie meine Meinung dann ausgefallen wäre :-)
      An "Ruht das Licht" werde ich auf jeden Fall mit ganz zurückgeschraubten Erwartungen herangehen - vielleicht gefällt es mir dann gleich viel besser. Und um die Kritiken zu "In deinen Augen" muss ich später auch einen großen Bogen machen :-)
      Eigentlich bin ich für solche ruhigen Geschichten ja auch jederzeit zu haben, bloß hier hat es für mich so gar nicht funktioniert :-/ Menno!

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  7. Ich sehe das genau wie du.
    Die Beschreibungen des Waldes klangen wie ein Liebesbrief. <3 Ohnehin schafft es die Autorin in meinem Kopf einen Wirbel an Bildern entstehen zu lassen, als sei ich wirklich wahrhaftig dort gewesen. Sie schafft es, dass sich mein Herz so vor lauter Sehnsucht nach dem Wald und den Abenteuern dieser Welt zusammenzieht, dass es weh tut.

    Die Liebesgeschichte von Sam und Grace allerdings hat dieses schöne Gefühl an mancher Stelle doch recht zerstört, und erinnerte mich zu sehr an den Rotz aus Twilight. u_u Da wird auch nur geheult und geschmachtet und die Protagonisten sehen sich völlig banalen Problemen gegenüber.
    Wie zB die Sache mit Grace Eltern. Sie will die toughe spielen aber sobald ihre Eltern piepsen flennt sie und verkriecht sich wie ein Kleinkind. xD
    Und bei der Sache mit dem unsexy muss ich dir vollkommen zustimmen.
    Auch, wenn Grace Sam als "zitterndes kleines Blatt im Wind" beschreibt, macht es die Sache nicht besser. Da frage ich mich, was dieses Mädchen für einen Geschmack hat, wenn sie einen Jungen lieben kann, der sich benimmt wie ein weinerliches zierliches Ding. O_o
    Da war mir Cole doch wesentlich sympathischer! :D <33

    Die vor Wehklagen und Drama triefende Liebesgeschichte von Grace und Sam hätte man ein wenig abdämpfen und dafür mehr Power reinbringen können.

    Alles in allem empfinde ich das Buch bzw die Reihe dann aber doch als lesenswert. Wenn man über die ganzen Taschentücher, die einem entgegenspringen hinwegsieht. XD

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