Mittwoch, 11. Juli 2012

[Rezension] Jay Asher & Carolyn Mackler
- Wir beide, irgendwann

Was wäre, wenn ... ich dich heute küsse?


Fakten rund ums Buch:
Genre: Young Adult
Originaltitel: The Future of Us
Ausgabe: Hardcover
Seitenzahl: 400
erschienen: August 2012
Preis: 17,99 Euro
Link zum Verlag 


Im Jahr 1996 hatte weniger als die Hälfte aller amerikanischen Highschoolschüler schon mal das Internet benutzt.
Facebook wurde erst ein paar Jahre später erfunden.
Emma & Josh waren dabei, sich in ihre Zukunft einzuloggen.


Klappentext:

Im Mai 1996 bekommt die 16-jährige Emma ihren ersten Computer geschenkt. Mithilfe ihres besten Freunds Josh loggt sie sich ein und gelangt zufällig auf ihre eigene Facebook-Seite – 15 Jahre später. Geschockt stellt sie fest, dass sie mit 31 Jahren arbeitslos und unglücklich verheiratet sein wird. Josh hingegen, bislang alles andere als ein Frauenheld (der erst kürzlich von Emma einen Korb bekommen hat), wird das hübscheste Mädchen der ganzen Schule heiraten und zudem seinen Traumjob ergattern. Emma ist jedoch nicht gewillt, sehenden Auges in ihr Unglück zu laufen. Um das Zusammentreffen mit dem Jungen zu verhindern, der sie später mal unglücklich machen wird, beginnt sie, bewusste Änderungen in der Gegenwart herbeizuführen. Doch der Versuch, in ihr Schicksal einzugreifen und dadurch ihr künftiges Facebook-Profil zu verändern, setzt eine fatale Kettenreaktion in Gang ...


Meine Meinung:

Was mir an "Wir beide, irgendwann" sofort positiv aufgefallen ist, ist der sehr flüssige Schreibstil, in dem das ganze Buch verfasst ist. Ich könnte gar nicht sagen, ob die beiden Autoren Jay Asher und Carolyn Mackler alles zusammen geschrieben haben oder ob sie sich kapitelweise abgelöst haben, so nahtlos gingen die verschiedenen Abschnitte, die abwechselnd aus Joshs und Emmas Sicht erzählt werden, ineinander über. Große Absätze und kurze Kapitel trugen zusätzlich dazu bei, dass ich nur so über die Seiten geflogen bin. Und so fiel es mir entsprechend schwer, das Buch aus der Hand zu legen - einmal von der Geschichte gefangen genommen, wollte ich unbedingt wissen, wie es mit Josh und Emma weitergeht.

Leider wird im ganzen Buch nicht ansatzweise eine Erklärung abgeliefert, wie es dazu kam, dass Emma sich plötzlich bei Facebook einloggen konnte. Mir ist klar, dass es dafür keine logische Erklärung geben kann, aber eine kurze Erwähnung, durch welches "Zeitloch" sie da gefallen ist, oder auch, ob sie sich später an die ganze Facebook-Geschichte erinnern kann, hätte ich gut gefunden. Denn mir stellte sich immer wieder die Frage: Wie lebt man bloß mit dem Wissen, was um all die Menschen um einen herum in der Zukunft passieren wird, ganz normal weiter?

Meiner Meinung nach veränderten sich dann auch zuviele Dinge in der Zukunft durch zu banale Ereignisse in der Gegenwart. Wenn ich mir überlege, dass eine 16-Jährige sich fest vornimmt, z.B. nie einen bestimmten Mann zu heiraten, sie eben diesen Mann aber Jahre später trifft und sich Hals über Kopf in ihn verliebt - warum sollte sie dann noch an ihr Vorhaben von vor 15 Jahren zurückdenken? Dies sind allerdings typische Ungereimtheiten, die wohl in jedem "Wir beeinflussen/ändern die Zukunft"-Roman passieren und über die ich im Großen und Ganzen auch hinwegsehen konnte.

Emma und Josh sind zwei absolut liebenswerte Charaktere, die mir während des Lesens sehr ans Herz gewachsen sind. Mag Emma manchmal etwas egozentrisch und aufbrausend wirken, so hat mich vor allem der sensible und schüchterne Josh mit seiner Art begeistert. Zusammen harmonierten die beiden richtig gut.
Das Setting ist eine typische Highschool in den USA und so sollte man auch von der Geschichte nicht allzu große Besonderheiten erwarten: In erster Linie ging es eben doch um das typische "wer mit wem", um Freundschaften, Familie und den ganz normalen Alltag. Das Ende war demnach auch ziemlich vorhersehbar, doch trotzdem sehr stimmig in die Geschichte integriert - gerne habe ich Emma und Josh bei ihrem holprigen Weg zum Erwachsenwerden beobachtet.

Etwas weit hergeholt fand ich die Statusmeldungen, die die 31-jährige Emma bei Facebook einstellt. Es mag manche Menschen geben, die ihr gesamtes Leben mit der Öffentlichkeit teilen, doch Statusmeldungen wie "Mein Mann ist seit drei Tagen nicht nach Hause gekommen" oder "Mir geht es so schlecht, ich kann mir nicht mal einen richtigen Therapeuten leisten" sind eher unglaubwürdig. Gerade auf diese Weise werden in "Wir beide, irgendwann" aber auch Facebook und ähnliche Online-Netzwerke kritisch hinterfragt: Junge Leser werden vielleicht darüber nachdenken, wie gut es ist, solch private Meldungen für alle sichtbar im Internet zu posten - und sich so auch einmal kritisch mit dem eigenen Verhalten im Social Media-Bereich auseinandersetzen. 


Mein Fazit:

Aus der Grundidee des Buches hätte man sicher noch einiges mehr herausholen können - so beschränkt sich die Handlung doch eher auf zwei typische amerikanische Highschool-Schüler. Flüssiger Schreibstil und sympathische Charaktere machen die Geschichte trotzdem zu einem lesenswerten Abenteuer, das ich gerne weiterempfehle. 7 von 10 Bücherdiebinnen!

Kommentare:

  1. Gut zu wissen! Wird ja demnächst gelesen (nur im Original). Dann kann ich mich ja schonmal darauf freuen ;)

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    1. Bin gespannt, wie du es findest! Die meisten waren ja recht begeistert, aber ein paar sehr kritische Stimmen habe ich auch schon gehört...

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  2. Für mich war das ganz klar, wie sie zu Facebook kam. Ich hab dieses Phänomen der CD zugeschrieben, mit der sie AOL installiert hat. Ich hab es mir einfach so vorgestellt, als wäre die CD nicht normal gewesen ...

    Lach und mir ging es eher so, dass ich es völlig normal fand, dass solche Kleinigkeiten so große Auswirkungen haben können.

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    1. An die AOL-CDs kann ich mich auch noch sehr gut erinnern - da bin ich aber froh, dass ich nie so ein Exemplar erwischt habe ;-)

      Hm, ich glaube ja ein bisschen an Schicksal und dass alles, was passiert, auch irgendeinen tieferen Sinn hat. Also hätte ich es besser gefunden, wenn Emma trotzdem wieder da gelandet wäre, wo sie später ist, aber dann etwas daraus lernt. Auch wenn es hart ist: Vielleicht muss sie ja erst von ihrem Mann verlassen werden, damit sie bereit ist für die richtige Liebe...
      Mh, keine Ahnung, so war das ganze ein bisschen unbefriedigend für mich - auch wenn ich die Idee dahinter immer noch klasse finde :-)

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  3. Tolle Idee. Ich möchte das Buch unbedingt lesen <3
    Schön geschriebene Rezi von dir!!!

    LG
    Lilly

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    1. Dankeschön! Leider erscheint das Buch ja erst Ende August, aber so kannst du es dir schon mal auf den Wunschzettel schreiben :-)

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  4. Hi,
    stöbere gerade so durchs Internet, habe deine Seite gefunden und bin irgendwie hängen geblieben.
    Ich habe mich kurzerhand als Leserin bei dir eingetragen und würde mich über einen Gegenbesuch deinerseits sehr freuen!
    LG
    Roxann

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  5. Das Buch steht bei mir auch noch auf der Wunschliste. Ich bin gespannt. Aber deine Rezension klingt ja zumindest schon mal nicht schlecht. :)

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    1. Um das Buch kommt man momentan ja auch kaum drumrum :-) Ist auf jeden Fall ein tolles Buch für zwischendurch, nur von dem Facebook-Thema hatte ich mir etwas mehr versprochen.

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  6. Ich fand auch, dass sich das Buch sehr flott lesen liest und es ist wie du sagst: der Schreibstil wirkt nahtlos. Leider fand ich das ab und zu auch problematisch, weil sich Emmas und Joshs Stimmen für mich kaum unterschieden haben. Wenn ich mitten im Kapitel weitergelesen habe, musste ich immer erst mal gucken, wer gerade erzählt :/

    Dass es keine Erklärung für die "Zeitreise" geben würde, hatte ich mir schon gedacht, fand ich deshalb auch nicht so schlimm, aber ich hätte auch gern gewusst, ob sie sich in der Zukunft noch an die Vergangenheit erinnern (wenn das so wäre, hätten sie sich über fb ja eigentlich selbst Nachrichten schicken können).

    Und ich glaube gerade wegen Emmas Statusmeldungen aus der Zukunft ist sie mir zunehmend unsympathisch geworden :/

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    1. Das stimmt, ab und an musste ich auch gucken, ob gerade Emma oder Josh spricht. Da die Kapitel aber so kurz sind und es mir bei vielen Büchern, in denen verschiedene Personen zu Wort kommen, ähnlich geht, ist mir das hier nicht so negativ aufgefallen.

      Ich sehe, du verstehst mein Problem mit der Zeitreise :-) Eigentlich müsste sich die 30jährige Emma ja an alles erinnern können, aber dann hätte sie ihrem 15jährigen Ich auch mal die Leviten lesen können... Und sich selbst Nachrichten zu schicken, wäre wirklich eine interessante Möglichkeit gewesen! Hrmpf, ein ewiges Problem, das ich mit solchen Zeitreisegeschichten habe :-(

      Trotz allem hat mir die Liebesgeschichte und die Idee hinter dem Buch gefallen, auch wenn ich "mehr" erwartet hätte. Ich bin schon sehr gespannt auf deine Rezension, dein Wochenrückblick ließ ja schonmal nichts Gutes vermuten *lach*

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    2. Zeitreisegeschichten bringen ja immer so einige Paradoxe mit sich, das ist eigentlich auch das interessante, finde ich. Schade nur, wenn darauf fast gar nicht eingegangen wird sondern man nur an der Oberfläche kratzt (vermutlich aus Angst sich zu sehr zu verheddern). Und die 30jährige Emma hat der jüngeren wahrscheinlich nicht die Leviten gelesen, weil sie immer noch so eine nervige Oberziege ist wie damals ;)

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    3. Haha, ich fand ja die 30jährige Emma noch sehr viel anstrengender, dagegen war die 15jährige doch total nett ;-)
      Ich lese Zeitreisegeschichten recht gerne und mag es, dann mitzudenken: wenn jetzt in der Vergangenheit das und das passiert, wie ändert es den Lauf der Geschichte... und wie greift die neue Zukunft vielleicht wieder in die Vergangenheit ein...? Das man sowas auch recht logisch betrachten kann, hat für mich zum Beispiel "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" gezeigt. "Wir beide, irgendwann" schafft das leider überhaupt nicht :-/ Naja, dafür hat es andere Qualitäten :-)

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  7. Ach, das klingt doch ganz nett. Zum Glück steht das Buch bereits bei mir im Regal und ich freu mich schon drauf es demnächst zu lesen. Dann weiß ich jetzt schon mal, dass ich meine Phantasie in einigen Begebenheiten spielen lassen muss - gut zu wissen. Ich finde die Facebook Idee aber jetzt schon klasse und bei den Stautsmeldungen musste ich ganz schön schmunzeln. Irgendwie passt es ja doch. Ich habe eine Bekannte, die mittlerweile in Norwegen lebt. In letzter Zeit haben wir keinen Kontakt. Dank Facebook weiß ich aber ständig was es bei ihr Neues gibt oder wie sie gerade drauf ist. Für mich persönlich auch oftmals übertrieben, weil mir das z. B. nie in den Sinn kommen würde. :)

    LG, Reni

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    1. Oh ja, als leichte Sommerlektüre kann ich "Wir beide, irgendwann" auf jeden Fall empfehlen! Man muss eben über ein paar Ungereimtheiten hinwegsehen können, aber dann fliegt man nur so über die Seiten - der Schreibstl ist sehr angenehm!
      Was manche alles von sich bei Facebook preisgeben, darüber kann ich auch nur schmunzeln. Von einigen meiner Freunde höre ich dort dreimal täglich was, aber die meisten gehen etwas sorgfältiger mit ihrer Privatsphäre um :-) Deine Freundin in Norwegen scheint ja ebenfalls ein extremes Beispiel zu sein :-)

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  8. Das klingt auf jeden Fall danach, als müsste das sofort gekauft werden, wenn es Ende August dann endlich erscheint. :) Vor allem, nachdem Ashers Debüt so gut war. :) Leider hatte ich es schon befürchtet, dass es keine Erklärung für diese "Zeitüberbrückung" geben würde - schade.
    Liebste Grüße! :)

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    1. "Tote Mädchen lügen nicht" hat mir auch gut gefallen - hätte ich damals schon Rezensionen geschrieben, wäre meine Bewertung wohl ähnlich wie zu diesem Buch ausgefallen. (auch wenn die Themen natürlich recht unterschiedlich sind) Aber wenn du so ein Asher-Fan bist, wirst du dieses Buch sicherlich ebenso mögen wie den Vorgänger ;-) Gutes Durchhalten bis Ende August! (oder vielleicht schon die englische Version probieren?)

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  9. Wahrscheinlich fällt dem einen oder anderen zu einem Thema immer noch was ein und man meint, aus einer Geschichte hätte mehr herausgeholt werden können. Aber man muss ja erst einmal auf die Idee kommen und in dem Punkt ist den beiden Autorinnen einiges eingefallen.

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