Sonntag, 2. September 2012

[Rezension] Michael Römling - Schattenspieler

Eine untergehende Welt. Ein verschollener Schatz.
Ein Gegner ohne Gesicht.


Fakten rund ums Buch:
Genre: Historischer Jugendroman
Originaltitel: -
Ausgabe: Hardcover
Seitenzahl: 352
erschienen: Juni 2012
Preis: ca. 14,95 Euro
Link zum Verlag 


Leo wollte etwas erwidern, doch in diesem Moment jaulte die erste Sirene los. Eine zweite fiel ein, dann eine dritte. Wilhelm seufzte auf. "Unsere Befreier kommen, ab in den Keller." [...] 
Der ständige Wechsel zwischen Luftschutzkeller und Wohnung - wenn man noch eine hatte - war den Berlinern vertraut wie ein religiöses Ritual, das man als Kind gelernt hat und von dem man als Erwachsener nicht lassen kann. Die Sirenen waren die Glocken, der Keller war die Kirche. Wenn es losging, wurde gebetet, und wenn es vorbei war, ging man zurück."


Klappentext:

April 1945: Berlin liegt in Schutt und Asche, und die Rote Armee steht bereits vor den Toren der Hauptstadt. In den Wirren der letzten Kriegstage kreuzen sich die Wege von Friedrich und dem jüdischen Jungen Leo, der die Kriegszeit in dunklen Kellern überleben konnte. Beide sind auf der Jagd nach einem großen Geheimnis: Irgendwo in Berlin liegt ein unsagbar wertvoller Schatz verborgen, den ein hochrangiger Wehrmachts-Offizier vor Kriegsende noch schnell beiseiteschaffen will. Bald finden die Freunde eine heiße Spur. Doch die Zeit wird knapp, denn Friedrich und Leo sitzt ein mächtiger Gegner im Nacken, der vor nichts zurückschreckt.


Meine Meinung:

Historische Fakten in einem Roman unterzubringen kann mitunter eine ziemlich undankbare Aufgabe sein. Die Zeit des Zweiten Weltkrieges dürfte noch dazu vielen Lesern aus der Schulzeit äußerst präsent sein, so dass manch einer freiwillig gar nicht mehr zu einem Buch greifen möchte, das in dieser Zeit spielt ... Mit solchen Voruteilen sollte man an "Schattenspieler" allerdings nicht herangehen! Denn Michael Römling ist es gelungen, eine ideale Mischung aus Realität und Fiktion zu finden und Geschichte direkt und spannend zu vermitteln!

Was mir dabei besonders gut gefallen hat, ist, dass er sich weniger auf den Krieg als auf die direkten Nachkriegstage bezieht, über die man in der heutigen Literatur im Verhältnis zu Judenverfolgung, Kriegserklärungen und Bombenangriffen eher wenig findet. Von der Kapitulation Hitlers, dem besetzen Berlin und dem ersten Wiederaufbau der Stadt wird hier so lebendig erzählt, als wäre man selbst dabei gewesen. Dabei beschönigt Michael Römling die Kriegsereignisse keineswegs, doch er bereitet sie so auf, dass sie auch für ein junges Publikum zugänglich sind. So wirken sie zwar nachdenklich, aber keinesfalls verstörend. 
Ein spannendes Element der Geschichte sind dabei die Kunsträuber, die es wirklich gegeben hat und die die Wirren der Nachkriegszeit zu ihrem Vorteil genutzt haben, um wertvolle Schätze zu stehlen. Rund um einen solchen Kunstraub hat der Autor eine rasante Geschichte samt Verfolgungsjagden, Mord, Spionen und geheimen Verstecken gewoben.
Im Anhang des Buches gibt es dazu übrigens ein interessantes Nachwort sowie ein sehr hilfreiches Glossar mit allerlei Informationen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Hier wird noch einmal erklärt, welche Begebenheiten des Romans tatsächlich passiert sind und was es mit den sagenumwobenen Kunstdiebstählen während der Nachkriegszeit auf sich hat.

Der Schreibstil ließ sich sehr angenehm lesen und konnte bildhaft die Atmosphäre des zerstörten Berlins einfangen. Trotzdem fiel es mir zunächst etwas schwer, richtig in die Geschichte einzutauchen. Am Anfang beschreibt Michael Römling vielmehr Situationen, als dass er erklärt, mit wem genau wir es hier zu tun haben. Durch einen schnellen Perspektivwechsel lernt man die Charaktere so nur langsam kennen und muss sich innerhalb der Geschichte erst einmal orientieren.
Was mich am Anfang noch verwirrt hat, erweist sich später aber als echter Spannungsträger: Denn als Leser erfährt man nicht nur von den Ermittlungen durch Friedrich und Leo, sondern darf sich z.B. auch in die Perspektive der russischen Offiziere sowie der Kunsträuber hineinversetzen. Durch das Wissen, das man so erlangt, spitzen sich die Ereignisse gegen Ende immer mehr zu - und der Autor versteht es, mit einigen spannenden Wendungen und einem furiosen Finale auf den Leser zu warten!

Mit Leo, der als Jude in Deutschland Jahre des Versteckens hinter sich hat, und Friedrich, der verarbeiten muss, dass sein Vater ein bekennender Nationalsozialist war, hat Michael Römling zwei sehr unterschiedliche und zugleich sympathische Charaktere geschaffen. Ich habe sehr gerne mit ihnen mitfiebert - denn sie müssen nicht nur die schlimmen Kriegserlebnisse verdauen, sondern auch mit persönlichen Verlusten kämpfen. 


Mein Fazit:

Geschichtsunterricht einmal spannend verpackt - wer mehr über die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs und der direkten Nachkriegszeit lesen, dabei aber nicht auf eine spannende Geschichte verzichten möchte, der ist bei "Schattenspieler" goldrichtig aufgehoben! Zwei sympathische Protagonisten, realistisch gezeichnete Schauplätze und ein fieser Bösewicht runden das ganze ab zu einem Abenteuer, auf das man gerne mitgenommen wird. 8 von 10 Bücherdiebinnen!




Vielen Dank an den Coppenrath Verlag und Blogg dein Buch 
 für dieses tolle Rezensionsexemplar!

Kommentare:

  1. Klingt wirklich toll! Ich lese gerne auch Bücher über die Zeit des zweiten Weltkriegs, insbesondere, wenn dabei interessante Perspektiven eröffnet werden. Da habe ich mal wieder ein Buch mehr für meine Wunschliste bei dir gefunden. Danke :D

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    1. Schön, dass ich dich neugierig machen konnte! Ich hoffe, die Wunschliste wächst nicht schon wieder ins Unermessliche :-) Der Kunstraub ist wirklich ein spannendes Thema und darüber habe ich bisher noch kein anderes Buch gelesen!

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  2. Eine sehr schöne Rezi! Das Buch klingt wirklich interessant - vor allem, da es sich auch ein wenig vom sonstigen Hauptthema absetzt. Das landet auf jeden Fall noch auf meiner Must-Be-Read-Liste!

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    1. Schön, dass ich dich für das Buch begeistern konnte! Stimmt, das Buch grenzt sich schon ziemlich vom Markt ab - neben Dystopien, Vampiren und "der einen großen Liebe" mal was ganz anderes :-)

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  3. Danke für diese tolle Rezi! Mit dem Buch liebäugle ich auch, mal sehen wann es bei mir einziehen darf.

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    1. Aber gerne doch :-) Ich hoffe doch, es darf recht bald bei dir einziehen - noch dazu sieht es im Regal echt klasse aus :-)

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  4. Klingt seht interessant. Ich habe das Buch auch schon in meinem Bücherregal und ich denke, dann muss ich das nun auch mal endlich lesen. :)
    LG Nicole

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    1. Na dann solltest du bald loslegen :-) Ich wünsche dir schon mal viel Spaß mit "Schattenspieler"!

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