Sonntag, 26. Mai 2013

[Rezension] Nils Mohl - Es war einmal Indianerland

Ich brauche ein Auto, ich brauche Geld, ich brauche Schlaf. Was ich habe, 
sind eine Mütze, noch fünf Tage Sommerferien, die Bohrmaschine von Edda.


Fakten rund ums Buch:
Genre: Contemporary Young Adult
Originaltitel: -
Ausgabe: Taschenbuch
Seitenzahl: 352
erschienen: Februar 2011
Preis: 12,99 Euro
Link zum Verlag


Ich habe Leichengeruch geatmet. Das Geständnis eines Mörders gehört. Ein schweres Beben hat mein Leben durchgerüttelt. Aber mir ist, als hätte das alles gar nichts mit mir zu tun. Als stünde ich ratlos vor einem Haufen Trümmern und mir fiele partout nicht mehr ein, wie das Ganze einmal ausgesehen hat. (Wo bleiben die Tränen?)


Klappentext:

Stell dir vor, du bist 17 und lebst in den Hochhäusern am Stadtrand. Der Sommer ist heiß. Es ist Mittwochnacht, als dir Jackie den Kopf verdreht. Im Freibad. Fuchsrotes Haar. Sandbraune Haut. Stell dir vor, wie dir die Funken aus den Fingern sprühen vor Glück. Und plötzlich fliegt die Welt aus den Angeln: Zöllner erwürgt seine Frau. Edda, die 21-Jährige aus der Videothek, stellt dir nach. Mauser steigt mit Kondor in den Ring. Immer wieder meinst du, diesen Indianer mit der Adlerfederkrone zu sehen. Und dann zieht zum Showdown ein geradezu biblisches Gewitter auf – fühlt es sich so an, erwachsen zu werden?


Meine Meinung:

"Es war einmal Indianerland" ist mit Sicherheit ein interessantes Buch. Ich sage absichtlich 'interessant', nicht 'gut', denn ganz erschlossen hat sich mir der tiefere Sinn dieses Romans nicht. Und trotzdem kann ich ihn - mit gewissen Abzügen - weiterempfehlen.

Ein besonderes Stilmittel von "Es war einmal Indianerland" ist es, dass die Geschichte nicht linear erzählt wird, sondern im zeitlichen Rahmen von 12 Tagen immer wieder hin- und herspringt. Zu Anfang des Buches gibt es eine Art "Kalender", auf dem die wichtigsten Ereignisse des Tages in eher kryptischen Stichworten festgehalten sind. Diesen habe ich während des Lesens immer wieder als Referenz hinzugezogen, um die verschiedenen Szenen auch richtig zuordnen zu können.

Zu Beginn der Geschichte wird man völlig ins kalte Wasser geworfen, denn mit vielen Ereignissen, die wie selbstverständlich erwähnt werden, kann man noch überhaupt nichts anfangen. Im späteren Verlauf setzen sich diese zwar langsam zusammen, doch muss man dafür sehr konzentriert am Ball bleiben und eine Menge Eigenarbeit leisten, um kausale Verknüpfungen zwischen den einzelnen Szenen herstellen zu können.

Bis zu einem gewissen Grad hat für mich diese Stückelung der Geschichte noch ganz gut funktioniert, doch am Schluss blieb ich leider trotzdem mit dem Gefühl zurück, nicht alles verstanden zu haben. Viel Motivation, meine Verständnislücken aufzuklären und das Buch oder auch nur gewisse Kapitel erneut zu lesen, habe ich allerdings nicht, da ich das Lesen doch meist als sehr anstrengend empfand.

Die Handlung an sich ist dabei gar nicht so besonders, wie es der besondere Schreibstil zunächst vermuten lässt. Im Großen und Ganzen geht es um das Thema Erwachsenwerden und um die Suche des Protagonisten nach seinem Platz im Leben. Dabei trifft er auf allerlei faszinierende wie ungewöhnliche Charaktere, die ich wirklich gut herausgearbeitet fand. Die Atmosphäre des Plattenbaus in der Großstadt fand ich durchweg als sehr drückend beschrieben und damit ebenfalls sehr passend.

Das Buch hat im vergangenen Jahr den Deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen und ist damit mal wieder ein Beispiel dafür, wie Erwachsene Jugendliteratur bewerten. In meinen Augen ist das Buch aufgrund des umständlichen Stils nämlich eher für geübtere Leser geeignet - also ein Jugendbuch für Erwachsene (oder Vielleser). Damit Jüngere beim Lesen nicht die Motivation verlieren, würde ich ihnen definitv den Vorjahressieger "Tschick" oder allgemein die Preisträger der Jugendjury empfehlen.

Im Oktober erscheint Nils Mohls neues Buch "Stadtrandritter", das lose mit "Indianerland" verknüpft ist. Ich bin schon irgendwie neugierig auf diesen Roman, werde vorher aber genau prüfen, ob er in einem ähnlich wirren Stil formuliert ist, denn dann werde ich definitiv die Finger davon lassen. Allen, die jetzt an "Indianerland" interessiert sind, rate ich übrigens auch dringend, vorab einen Blick auf die Leseprobe zu werfen - testet einfach mal aus, ob euch der Schreibstil vielleicht besser liegt als mir.


Mein Fazit:

Das Buch verlangt seinem Leser so einiges ab: Durch die nonlineare Struktur lässt es sich nicht so ohne weiteres einfach "weglesen" und man muss selbst viel Arbeit leisten, um die Geschichte richtig zusammenzupuzzeln. Handlung und Charaktere haben mich allerdings überzeugt, so dass ich niemandem komplett vom Lesen dieses ungewöhnlichen Romans abhalten möchte. 5 von 10 Bücherdiebinnen!


1 Kommentar:

  1. Hey du,

    ich lese deinen Blog gerade zum ersten Mal und mag ihn sehr!!!
    Hier sind meine Gedanken zu Büchern und dem Bücherschreiben:

    http://lasagnolove.blogspot.de/2013/06/you-get-to-decide-what-to-worship-ii.html

    Liebe Grüße,
    Bambi (von Birdy und Bambi)

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