Mittwoch, 18. Februar 2015

[Rezension]
Antonia Michaelis - Niemand liebt November

Schatten der Vergangenheit: ein Spiel um Leben und Tod.


Fakten rund ums Buch:

Genre: Contemporary Young Adult
Originaltitel: -
Verlag: Oetinger
Ausgabe: Hardcover
Seitenzahl: 448
erschienen: August 2014
Preis: 17,99 Euro 


"Ist das der richtige Zug?", fragte es die Katze.
"Alle Züge sind richtig", antwortete die Katze. "Denn sie alle fahren von hier fort. Und deine Eltern sind fort. Also ist fort der Ort, an dem du sie finden wirst."


Klappentext:

Kurz vor Ambers sechstem Geburtstag verschwanden ihre Eltern auf unerklärliche Weise. Jetzt ist Amber, die eigentlich November heißt, 17 Jahre alt und glaubt, eine Spur zu haben. Doch was hat es mit dem Jungen auf sich, der in dem erleuchteten Zelt ein Buch liest, sich aber in Luft auflöst, sobald sie sich ihm nähert? Welche Ziele verfolgt der Kneipenwirt, zu dem sie sich immer stärker hingezogen fühlt, und der immer für sie da zu sein scheint? Steckt er vielleicht sogar hinter den anonymen Drohungen, die sie erhält? Amber muss sich entscheiden: zwischen ihrer zerstörerischen Vergangenheit und dem Aufbruch in die Zukunft. 


Meine Meinung:

Mit Amber, aus deren Sicht der Roman geschrieben ist, begibt man sich auf die sehr düstere Version einer Schnitzeljagd: SIe folgt einer ganzen Hinweiskette, um endlich die Spur ihrer seit 11 Jahren vermissten Eltern wiederzufinden. Wie diese Hinweise sich immer mehr zu einem großen Ganzen fügen, ist spannend mitzuverfolgen. Traumelemente vermischen sich dabei mit der realen Handlung, so dass man nie so ganz weiß, woran man ist. Auch daraus, dass man endlich hinter die vielen Geheimnisse aus Ambers Vergangenheit kommen will, bezieht das Buch seine Spannung.

Für zarte Gemüter ist "Niemand liebt November" sicherlich nicht geschrieben. Der Verlag empfiehlt ein Mindestalter von 16-17 Jahren und dieses empfinde ich komplett angemessen. Aufgrund von Ambers teilweise sehr destruktivem Verhalten, das von ihrem Leben auf der Straße geprägt ist, lassen sich manche Passagen des Romans nur schwer ertragen. Ich musste das Buch öfter mal zur Seite legen, um die Szenen von Gewalt und Missbrauch verarbeiten zu können. Sicherlich stießen auch nicht alle Entscheidungen der Protagonistin auf mein Verständnis, aber trotzdem hat mich ihre Art, mit ihrem Schicksal umzugehen, fasziniert.

Der Schreibstil von Antonia Michaelis ist - wie etwa bei ihren anderen Jugendromanen "Der Märchenerzähler" oder "Solange die Nachtigall singt" - anspruchsvoll und voller Poesie; so wird jedes Kapitel mit einer Art Gedicht eingeläutet und schließt mit einem kurzen Absatz, der aus der geheimnisvollen Perspektive einer weiteren Person stammt. Zwischendurch finden sich viele Metaphern und bildhafte Vergleiche. Wer sich wie gerne in einer detailverliebten Sprache verliert, kommt hier definitiv auf seine Kosten!


Mein Fazit:

Emotional, düster, geheimnisvoll, detailverliebt, poetisch - ein typischer Roman von Antonia Michaelis, der mich sehr berührt hat! 8 von 10 Bücherdiebinnen.


Kommentare:

  1. Liebe Diebin,
    oh super, eine Rezi von dir! :-) Ich habe das Buch noch auf dem SuB, will es gerne sofort lesen und fürchte mich auch etwas davor. Der Märchenerzähler steckte mir noch so lange in den Knochen und auch die Nachtigall wirkte lange nach. So sind sie eben, die Michaelis-Bücher. Du schreibst ja auch, dass man den Stil der Bücher vergleichen kann. Danke dir!
    Grüß dich lieb,
    Damaris

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    1. Hey Damaris, wie schön, dass du hier trotz der langen Pause noch mitliest!
      Deine Bedenken zum Buch verstehe ich total gut, für die Romane von Antonia Michaelis muss man sich definitiv Zeit nehmen und in der richtigen Stimmung sein. "Niemand liebt November" hat mMn von den drei genannten Büchern die heftigsten Szenen, die ich teilweise kaum ertragen konnte. Allerdings ist die Stimmung trotz der düsteren Ereignisse insgesamt positiver, weil Ambers Suche immer wieder kleine Erfolge hat oder sie auf jemanden trifft, der ihr helfen kann.
      Also, ich bin auf jeden Fall gespannt, wie du es finden wirst!
      Liebste Grüße!

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    2. Huhu nochmal :-)
      aber klar lese ich hier noch mit! Und echt jetzt? Noch heftigere Szenen als im Märchenerzähler? Uiuiuiii, da bin ich aber jetzt echt gespannt ... mal sehen, wann bei mir die richtige Stimmung aufkommt ;-)

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    3. Huhu :-)
      Ja, ich fand es definitiv heftiger als z.B. die oft diskutierte Bootshausszene im "Märchenerzähler".

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  2. Antonia Michaelis Bücher mag ich sehr gerne. Dieses habe ich noch nicht gelesen, aber es klingt ja gut :) Danke für die Rezension.

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    1. Wenn du Fan von Antonia Michaelis bist, soltest du dieses Buch auf keinen Fall verpassen! Viel Spaß beim Lesen :-)

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