Dienstag, 13. Oktober 2015

[Rezension] Christoph Scheuring - Echt

Es ist nämlich so, dass ich finde, dass es keinen intensiveren Augenblick gibt als einen Abschied


Fakten rund ums Buch:
Genre: Contemporary Young Adult
Originaltitel:
Verlag: Magellan
Ausgabe: Hardcover
Seitenzahl: 256
erschienen: September 2014
Preis: 14,95 Euro 


"Glaubst du, alles im Leben ist vorbestimmt?", fragte Kati. "Ich meine, dass wir auf einem Gleis sitzen und nicht runterkönnen und immer nur in unserer Spur weiterfahren?"
"Quatsch", sagte ich, "wenn die Menschen auf Gleisen leben würden, könnten sie nie zusammenkommen. Also, dann würden sie immer nur parallel nebeneinander herfahren. Und wenn man sich berührt, ist das gleich ein Unfall und es gibt Verletzte und Tote."


Klappentext:

Albert sammelt Abschiede. Tag für Tag fotografiert er am Bahnhof Umarmungen, Trennungen und Tränen. Denn Abschiede, das sind für ihn Momente, in denen der Mensch wahrhaftiger ist als jemals sonst. Eines Tages lernt er Kati kennen. Sie sieht aus wie ein Engel, ist gleichzeitig abgezockt und verletzlich. Und sie ist wie gebannt von seinen Bildern, vor allem von seinem Lieblingsbild, auf dem Schmerz und Glück völlig selbstvergessen miteinander verschmelzen. Doch Kati behauptet, das Foto sei eine einzige Lüge. In den Tiefen des Bahnhofs machen sich die beiden daran, die Wahrheit hinter dem Foto zu finden.


Meine Meinung:

Was mir an "Echt" sofort positiv aufgefallen ist, ist die sehr eindrückliche und realistische Atmosphäre, die Christoph Scheuring beim Lesen aufkommen lässt. Der Jugendroman spielt hauptsächlich im Hamburger Bahnhofsviertel und beleuchtet das Leben der Straßenkids. Das alles liest sich so, als wüsste der Autor genau, wovon er schreibt, und hätte das Leben auf der Straße sehr gründlich recherchiert.

Was mich in meiner Euphorie jedoch leider etwas getrübt hat, war der Spannungsaufbau des Romans. Die erste Hälfte klebte ich nur so an den Seiten und wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Das verflog in der zweiten Hälfte leider etwas; die Geschichte trat hier zeitweise arg auf der Stelle. Nach dem Lesen des Klappentextes hatte ich mich auf eine kleine Schnitzeljagd quer durch Hamburg gefreut (oder alternativ auf eine Reihe von Geheimnissen, die den Charakteren mehr Tiefe gegeben hätten), aber da wurde ich leider enttäuscht. Das wird zwar auf den letzten Seiten des Buches etwas nachgeholt (und auch die Auflösung hat mir gefallen), aber dafür, dass das Buch insgesamt nur 256 Seiten besitzt, traten mir diese Längen etwas zu deutlich hervor.

Der Schreibstil dagegen ist kurzweilig und geprägt von einer tollen Situationskomik. Protagonist Albert besitzt einen trockenen, manchmal schwarzen Humor, der mich sehr gut unterhalten konnte. Immer wieder gerät er in absurde Situationen, die er absolut treffend und so locker beschreibt, dass ich oft in mich hineinschmunzeln musste. So ließ sich auch die oftmals eher bedrückende Atmosphäre des Buches sehr gut ertragen. 


Mein Fazit:

Eine authentische Geschichte mit einem tollen schwarzen Humor. Leider auch mit ein paar Längen. 7 von 10 Bücherdiebinnen.

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